Frei heraus

„Freie Bauern“ eröffnet eine bäuerliche Sicht auf die Agrarpolitik, jenseits von Wachstumswahn und Ökoterror – und füllt damit eine Marktlücke in der Agrarmedienlandschaft. Hier schreiben engagierte Berufskollegen „frei heraus“ ihre Position zu wichtigen agrarpolitischen Themen – klar und deutlich, strukturiert und komprimiert und vor allem ausschließlich den Interessen unseres Berufsstandes verpflichtet.

Deutschland ist "BHV1-frei" und dieser Status bietet Vorteile im Export von Zuchtrindern. Für die meisten Rinderhalter ist die Krankheit Rinderherpes seit Abschluss der Sanierung 2017 erledigt. Doch immer wieder kommt es zu so genannten "Ausbrüchen" von BHV1, zuletzt in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen.

Liebe Landwirte, wir müssen reden. Miteinander, nicht übereinander. Die Facebookisierung ist inzwischen soweit fortgeschritten, dass es nur noch Lager gibt, aber keiner mehr mit dem anderen spricht. Mag sein, dass wir tatsächlich gegensätzliche Interessen haben. Aber so krass sind diese Gegensätze nun auch wieder nicht, dass man in der Praxis nicht doch zu einem vernünftigen Miteinander kommen könnte. Ich schäme mich für die Wirrköpfe, die alle Umweltprobleme ausschließlich den Landwirten in die Schuhe schieben, die angeblich für einen schnellen Profit über Leichen gehen, vor allem über Bienenleichen. Andersherum muss nicht jede Kritik an der aktuell betriebenen Landwirtschaft gleich als grünes Gutmenschentum disqualifiziert werden.

Der Sommer 2018 war hart, auch für uns in Nordhessen. Das hat keinen Spaß mehr gebracht und einen schweren wirtschaftlichen Schaden hinterlassen, keine Frage. Wer aber trotz Hitze und Trockenheit einen kühlen Kopf behalten hat, wird nüchtern feststellen: Mit solchen extremen Wetterlagen haben wir Bauern uns seit jeher auseinandersetzen müssen. Unsere Vorfahren haben schon Risikomanagement betrieben, als es das Wort noch überhaupt nicht gab. Deshalb halte ich nicht viel von der Dürrehilfe und deshalb kommen mir auch ganz große Zweifel, wenn die Politik uns heute mit "neuen Instrumenten des Risikomanagements" in unsere Betriebe hineinregieren will.

Die Hofübergabe an die nächste Generation ist die zentrale Herausforderung für den bäuerlichen Familienbetrieb. Wir brauchen einen Jungen, der übernehmen will. Wir brauchen einen Alten, der abgeben kann. Und wir brauchen natürlich einen Hof, dessen Weiterführung eine Perspektive bietet. So überlegen unsere Betriebe in ökonomischer wie ökologischer Hinsicht auch sein mögen, verglichen mit jeder anderen Agrarstruktur - der Generationswechsel bleibt unsere Archillesferse. Stabile Rahmenbedingungen dafür zu schaffen ist deshalb eine wichtige berufspolitische Aufgabe.

Die von verantwortungslosen Wildnis-Ideologen betriebene und von ahnungslosen Natur-Freunden beklatschte Ausbreitung der Wölfe bedroht die artgerechte Weidetierhaltung, demoralisiert die Weidetierhalter und entzieht ihnen mittelfristig die ökonomische Grundlage. Wenn es nicht in absehbarer Zeit gelingt, die Zahl der Wölfe deutlich zu reduzieren, wandert ein wichtiger Teil der Tierproduktion in die Ställe oder ins Ausland mit gravierenden Folgen für Natur und Umwelt. Deshalb müssen alle Bemühungen darauf gerichtet sein, so schnell wie möglich so viele Wölfe wie möglich zu schießen.

Schon das Wort Subventionen! Es hat so einen Beigeschmack von Sozialhilfe de luxe. Da hilft auch der Begriff Direktzahlungen nicht weiter. Es geht um Geld, um viel Geld - darum, wer mehr und wer weniger kriegt und wofür. Die Vereinbarungen zum gemeinsamen Agrarhaushalt der Europäischen Union und ihre nationale Umsetzung sind die Königsdisziplin der Agrarpolitik: Wenn etwas zu gestalten ist, dann hier, und deshalb kommen wir wohl nicht herum um diese unappetitliche Diskussion.

Um es gleich klarzustellen: Wir brauchen eine kompetente und schlagkräftige Veterinärverwaltung. Die Kapazitäten dafür müssen vorgehalten werden, um unsere Tierproduktion vor gefährlichen Seuchen zu schützen. Wir können froh sein, dass sich die Gesundheit der Nutztiere in Deutschland, im internationalen Vergleich, auf einem sehr guten Stand befindet: Alle großen volkswirtschaftlich relevanten Seuchen wie MKS, Tuberkulose, Brucelose oder Leukose sind erfolgreich bekämpft und stellen derzeit keine Bedrohung dar. Der exzellente Zustand der Tiergesundheit darf allerdings nicht dazu führen, dass sich die Veterinärverwaltung ständig neue, teilweise widersinnige Tätigkeitsfelder sucht, um ihre Daseinsberechtigung zu rechtfertigen.

Der Wegfall der Milchquote im April 2015 markiert den Beginn einer schweren Krise der Milchproduktion, die genau genommen bis heute andauert. Schnell war von einem Versagen des Marktes die Rede, staatliche Eingriffe wurden gefordert. Aber ist wirklich der Markt an dieser Entwicklung schuld? Wie naiv waren eigentlich alle diejenigen, die geglaubt hatten, allein durch Abschaffung der Quote würde ein Wettbewerb um den Rohstoff Milch entstehen?

Die im Juni 2017 in Kraft getretene Novelle der Düngeverordnung ist ein bürokratisches Monstrum ohne praktischen Nutzen. Statt die ökologischen Probleme an belasteten Standorten zu verringern, schafft sie ökonomische Probleme in der Fläche, indem sie auch die große Mehrheit derjenigen Landwirte mit zusätzlichen Kosten belastet, die seit jeher verantwortungsbewusst mit Dünger umgehen. Und jetzt sollen wir uns damit trösten, dass es alles noch viel schlimmer hätte kommen können? Wenn wir die Düngeverordung nicht irgendwann grundsätzlich in Frage stellen, wird es immer schlimmer, soviel steht fest.

Als bäuerliche Tierhalter fühlen wir uns zu Unrecht pauschaler Kritik ausgesetzt. Aber reagieren wir vernünftig darauf? Wenn wir in dieser Auseinandersetzung bestehen wollen, dürfen wir nicht länger so tun, als hätte die Diskussion über Massentierhaltung nichts mit Tiermassen zu tun.

Man kann hundertmal sagen, Massentierhaltung sei kein wissenschaftlicher Begriff. Trotzdem gibt es ihn. Er wird durch Kritiker von Stallbauvorhaben vor allem da verwendet, wo sehr viele Tiere an einem Standort gehalten werden sollen und – ehrlich gesagt – genau da passt er. Deshalb ist es nicht nur falsch, sondern sogar gefährlich, der Kritik an Massentierhaltung ausschließlich mit dem Hinweis auf das so genannte Tierwohl zu begegnen. Große Ställe seien heute besonders tiergerecht, höre ich häufig. Mit dieser Argumentation schaden wir uns selbst, und zwar aus zwei Gründen: