„Wir brauchen eine Veränderung des Patentrechts zugunsten der Landwirtschaft. Wenn sich herausstellt, dass Patente den Markt für NGT-Pflanzen verzerren oder den Zugang zu Saatgut erschweren, muss die Kommission korrigierend eingreifen“, sagt der Bundessprecher der FREIEN BAUERN, Alfons Wolff, mit Blick auf die in der vergangenen Woche vom Europäisches Parlament beschlossene Deregulierung von Gentechnik. Diese soll die Vorschriften für den Einsatz bestimmter Verfahren der modernen Pflanzenzüchtung lockern. Produkte aus einigen genetisch veränderten Pflanzen müssten dann künftig nicht mehr im Supermarkt gekennzeichnet werden; zudem sollen aufwendige Umweltprüfungen vor der Zulassung entfallen.
Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem Neue Genomische Techniken (NGT), mit denen das Erbgut von Pflanzen gezielt verändert werden kann, um sie schneller und präziser an Herausforderungen wie Krankheiten oder Trockenheit infolge des Klimawandels anzupassen.
Die FREIEN BAUERN verschließen sich keinesfalls dem Fortschritt. Sie wissen um das Potenzial neuer Züchtungsmethoden, die einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe leisten können. Aber es ist nicht akzeptabel, dass große Konzerne mithilfe von Patenten die Kontrolle über Pflanzen, Saatgut und Züchtungsmaterial erlangen und damit Züchter, Landwirte und letztlich auch Verbraucher abhängig machen.
Alfons Wolff von den FREIEN BAUERN mahnt eine klare Kennzeichnungspflicht an: „Die Endverbraucher müssen wissen, was sie kaufen und konsumieren. Mit dem vorliegenden Abkommen werden jedoch vor allem Importe von gentechnisch veränderten Produkten erleichtert, während deren Herkunft und Herstellungsweise vielfach nicht mehr erkennbar sind. Gleichzeitig dürfen heimische Landwirte die entsprechenden Technologien nicht oder nur eingeschränkt nutzen. Das führt zu einer Wettbewerbsverzerrung zulasten der heimischen Landwirtschaft. Deshalb gilt: Entweder solche Produkte dürfen nicht importiert werden, oder unsere Betriebe müssen die gleichen Möglichkeiten erhalten, sie selbst zu produzieren.“