Kurztext: Immer mehr Wildgänse sorgen in Niedersachsen für erhebliche Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen. Während die Landesregierung die Vögel unter Schutz stellt, sehen sich viele Landwirte mit den Folgen allein gelassen. Auch die vor Gericht erstrittenen Ausgleichszahlungen reichen nach Ansicht der Betroffenen nicht aus, um die entstandenen Schäden zu kompensieren.

An klaren Tagen verdunkelt sich der Himmel über dem Rheiderland plötzlich. Doch nicht Regenwolken ziehen in Ostfriesland auf, sondern riesige Schwärme von Wildgänsen. Hier, in Niedersachsen, sind die Vögel sicher: Anders als in allen anderen deutschen Bundesländern oder auch in den nahen Niederlanden dürfen sie nicht bejagt werden.
Die Bauern haben allerdings durch dieses „Gänsemanagement“ das Nachsehen, denn auf ihren landwirtschaftlichen Flächen richten die Vögel erhebliche Schäden an. Die Wildgänse fressen die Grasbestände so weit ab, dass ein erster Schnitt für die Kühe nicht mehr möglich ist. Zudem hinterlassen die Gänse ihren Kot auf dem Grünland und verdichten die Grasnarbe. Seit Jahren kämpfen die Landwirte für eine vernünftige Regulierung der Gänse, einige sind sogar schon vor Gericht gezogen. So wurden dem Landwirt Hero Schulte Ende 2024 Schadenersatzzahlungen über 75.000 Euro zugestanden, doch die Summe deckt den Schaden von mehr als 130.000 Euro bei Weitem nicht.

Und der Kampf ist noch lange nicht zu Ende. Denn das „Gänsemanagement“ in Niedersachsen, das pro Gänse ist, soll fortgesetzt werden – dies haben die Fraktionen von SPD und Grünen vor einem Monat im Landtag beantragt mit der Begründung, dass „Niedersachsen als bedeutendes Rast- und Überwinterungsgebiet arktischer Wildgänse eine besondere Verantwortung im Rahmen des europäischen Vogelschutzes zukomme“.
Hero Schulte hält dagegen: „Wir haben ein Vogelschutzgebiet und kein Gänseschutzgebiet. Zweck eines Vogelschutzgebietes ist es, von Aussterben bedrohte oder stark reduzierte Arten zu erhalten. Dazu gehören die Gänse aber nicht. Ihre Bestände nehmen weder ab, noch sind sie in irgendeiner Weise bedroht. Das ufert hier alles aus.“ Laut Schulte verdrängen die Gänse vielmehr andere Vogelarten: „Die Gänse werden mehr, die Bodenbrüter weniger. Wenn die Gänse bis Ende Mai hier sind, ist kein Platz für andere Gelege.“ Er fügt an: „Wenn man all das zusammennimmt, muss man zu dem Schluss kommen, dass gar kein echtes Interesse daran besteht, die Bestände der Bodenbrüter zu fördern. Denn sobald sich ihre Bestände erholen, hat die Regierung keine Möglichkeit mehr, die Landwirtschaft als Hauptverursacher anzuprangern und darauf aufbauend weitere Novellen auf den Weg zu bringen.“

Die FREIEN BAUERN meinen: Eine flächendeckende Bejagung der Gänse – wie sie im übrigen Deutschland zulässig ist - würde deren Bestände nicht im Geringsten gefährden. Vielmehr zeigt die Entwicklung in anderen Bundesländern, dass sich Artenschutz und Bestandsmanagement miteinander vereinbaren lassen. In Ostfriesland hingegen werden die wirtschaftlichen Belastungen der Landwirte seit Jahren in Kauf genommen oder sogar ignoriert.

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