Nach Ansicht der FREIEN BAUERN Deutschland ist es höchste Zeit, das seit Ende der 1990er-Jahre bestehende System der Nachbaugebühren abzuschaffen, das sich auf politische Entscheidungen gründet. Insbesondere die Methoden, mit denen die Saatgut-Treuhandverwaltungs GmbH die Gebühren eintreibt, sind aus Sicht der FREIE BAUERN nicht akzeptabel.


Obgleich bislang keine gesetzliche Verpflichtung besteht, dem Ankäufer des Erntegutes bei der Ablieferung eine Erntegutbescheinigung vorzulegen, wurden von den Ankäufern häufig Vorgaben gemacht, die den Landwirten faktisch keine andere Wahl ließen.

Zweifellos sind moderne Pflanzenzüchtung und züchterische Forschung essenziell und verdienen eine angemessene Finanzierung. Diese Vergütung muss jedoch transparent beim Kauf von zertifiziertem Saatgut erfolgen – statt über wiederkehrende Gebühren für den betrieblichen Nachbau.

Und eine Tatsache darf nicht vergessen werden: Säen und Ernten sowie die Aufbewahrung eines Teils des Ernteguts, um es im nächsten Jahr wieder auszusäen, gehören zu einem jahrtausendealten bäuerlichen Recht auf Nachbau. Auf diesem über Generationen entstandenen genetischen Fundament baut auch die heutige Pflanzenzüchtung auf. Einen finanziellen Ausgleich für die Schaffung dieser Grundlage erhielten die Bauern allerdings nie. Mit Blick auf das heutige System sagt Ralf Ehrenberg, Landwirt und Mitglied bei den FREIEN BAUERN: „Aus Genetik darf kein Abomodell werden, für das wieder und wieder bezahlt wird.“

Die Tierzucht macht deutlich, dass sich die Vergütung genetischer Leistung auch heutzutage anders gestalten lässt: Wer einen hochwertigen Zuchtbullen kauft, bezahlt dessen genetischen und züchterischen Wert mit dem Kaufpreis. Für jedes daraus geborene Kalb wird anschließend nicht automatisch erneut eine Lizenzgebühr an den Verkäufer fällig.
„Unser Vorschlag ist einfach: Züchtungsleistung beim Kauf angemessen vergüten. Nachbaugebühren und die damit verbundene Bürokratie abschaffen. Ernteguterklärungen, Auskünfte und Abrechnungen, die der Erhebung und Kontrolle der Nachbauvergütung dienen, wären damit nicht mehr erforderlich. Und dem Landwirt selbst die Entscheidung überlassen, ob er eigenes Erntegut nutzt oder neues Z-Saatgut kauft. Das ist marktwirtschaftlich und gibt den Betrieben ein Stück unternehmerische Freiheit zurück,“ so Ralf Ehrenberg.
Die FREIEN BAUERN fordern deshalb eine entsprechende Änderung des geltenden Sortenschutzrechts und eine offene Diskussion darüber, wie Züchtungsfortschritt künftig angemessen finanziert werden kann. Ein neues Vergütungsmodell würde den Anreiz stärken, in leistungsfähige und zukunftsfeste Sorten zu investieren – etwa mit besserer Pflanzengesundheit, höherer Trockenheitsresistenz und größerer Unabhängigkeit von verfügbaren Pflanzenschutzmitteln. Statt sich auf dauerhafte Einnahmen aus Nachbaugebühren zu verlassen, müssen Züchterhäuser durch attraktive und innovative Sorten die Landwirte überzeugen. Jetzt ist es an der Politik, das System der Nachbaugebühren wieder abzuschaffen – schließlich wurde es vor rund 30 Jahren auf politischem Wege eingeführt.