Frei seine Meinung zu äußern kann in unserem politischen System – der Journalist Roland Tichy nennt es regelmäßig eine Demokratur - mitunter Konsequenzen haben.
Die Landwirte sehen folgenden Zusammenhang: Wenn sie sich öffentlich unerwünscht politisch äußern, erhalten sie wenig später Besuch vom Veterinäramt, vom Finanzamt, vom Landwirtschaftsamt bzw. Landwirtschaftskammer, vom Umweltamt oder von der Kreisverwaltung. Zweifellos werden landwirtschaftliche Betriebe im Branchenvergleich überdurchschnittlich häufig und intensiv geprüft, teilweise auch ohne Vorankündigung. Doch die Prüfungsdichte ist auffällig, sobald der Landwirt kommunikativ eine Brandmauer übersprungen hat.
Den FREIEN BAUERN sind diesbezüglich viele Hinweise zugekommen, doch aus Sorge vor möglichen Konsequenzen durch die Behörden möchte bislang niemand öffentlich Stellung beziehen.

„Es ist faszinierend, mit was für einer Leichtigkeit man mittlerweile in den Fokus unserer Sicherheitsbehörden geraten kann,“ sagt der Hamburger Anwalt Dr. Florian Asche in einem am 21. September 2026 veröffentlichten Interview („Der Überläufer“). Der Jurist vertritt Sportschützen und Jagdscheininhaber, denen wegen ihrer Parteizugehörigkeit zur AfD ihre waffenrechtlichen Erlaubnisse oder ihre Jagdscheine entzogen wurden bzw. dies drohte. Asche will in dieser Sache sogar vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Nach seiner Aussage orientieren sich die Gerichte und die Verfassungsschutzbehörden bei der Herleitung einer Demokratiefeindlichkeit daran, dass Kritik auf sehr polemische Art und Weise geäußert werde und dies das Vertrauen der Menschen in den Staat unterhöhlt. Er argumentiert dagegen: „Kritik an politischen Akteuren ist nicht gleichzusetzen mit Kritik am politischen System.“

Die FREIEN BAUERN sind ebenfalls der Ansicht, dass man wegen eines überspitzten Kommentars vorschnell in eine politische Ecke gerückt werden kann. Zuweilen reicht dafür schon eine Momentaufnahme: Die Übergabe der Wahlprüfsteine der FREIEN BAUERN an den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt genügte einer ostdeutschen Online-Zeitung, um über eine künftige „Zusammenarbeit“ der landwirtschaftlichen Interessengemeinschaft mit der AfD zu fabulieren.
Solche vorschnellen Zuschreibungen zeigen, wie schnell heute aus einem einzelnen Vorgang oder einer zugespitzten Äußerung ein politisches Etikett gemacht wird – und wie wenig Raum dabei für eine differenzierte Betrachtung bleibt.

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