Geschichte wiederholt sich - natürlich stets unter anderen Vorzeichen. Ob es um Getreide, Geflügel oder die Tierhaltung insgesamt geht: Häufig steht unsere Landwirtschaft vor demselben Grundproblem. Sie muss mit ausländischen Produzenten konkurrieren, die unter anderen Kosten- und Regulierungsbedingungen arbeiten und deren Produkte aus deutscher Sicht gesundheitlich nicht unbedenklich sind (aufgrund von Hormonen, Pflanzenschutzmitteln). Die immer wiederkehrende Frage lautet: Wie kann die heimische Landwirtschaft wirtschaftlich überleben, wenn andere Länder unter kostengünstigeren Bedingungen produzieren?

Rückblick: Mitte des letzten Jahrhunderts schuf CDU-Agrarminister Heinrich Lübke (1953-1959) das „Landwirtschaftsgesetz“. Denn während der Aufbauphase im Nachkriegsdeutschland geriet die Landwirtschaft durch die fortschreitende Industrialisierung und den wirtschaftlichen Strukturwandel unter Druck. Die Forderungen nach wirtschaftlicher und sozialer Parität von Industrie-und Agrargesellschaft wurden lauter und lauter. Mit der Ausformulierung des „Landwirtschaftsgesetzes“ 1955 sollte der Staat dafür sorgen, dass der Agrar-Sektor eine angemessene wirtschaftliche Perspektive behält.
Anfang der 1960er Jahre gab es einen Zollstreit, den sogenannten „Geflügelkrieg“. Hintergrund war, dass deutsche Bauern aufgrund der höheren Produktionskosten Hähnchen nicht zu denselben niedrigen Preisen produzieren konnten, wie es ausländischen Anbietern möglich war. Obgleich Lübke zu dieser Zeit nicht mehr Agrarminister war, schützte seine frühere Agrarpolitik die heimische Geflügelzucht und provozierte schließlich einen Marktkonflikt mit den USA. „In den folgenden Jahren und Jahrzehnten hat das Landwirtschaftsgesetz nie wieder Anwendung gefunden,“ sagt Alfons Wolff, Bundessprecher der FREIEN BAUERN. Und er wiederholt: „Nie.“
Die Politik schützt die deutsche Landwirtschaft längst nicht mehr. Auf der Herbst AMK war zwar das Bekenntnis aller 16 Bundesländer, die Nutztierhaltung zu unterstützen, um Ernährungssicherheit und mehr Tierwohl miteinander zu verbinden. Fast zeitgleich kündigte die Edeka-Regionalgesellschaft Nordbayern-Sachsen-Thüringen kurzfristig Tierwohl-Verträge mit Schweinehaltern. Die fristlosen Kündigungen wurden inzwischen zurückgenommen, doch die grundsätzliche Frage bleibt: Wenn in mehr Tierwohl investiert werden soll – wer trägt dann das wirtschaftliche Risiko für den Umbau der Tierhaltung?
Die FREIEN BAUERN meinen: Landwirte stehen bei Investitionen in Tierwohl schnell mit leeren Taschen da, wenn der Handel seine Abnahme- und Preisbedingungen ändern kann, sobald sich das Produkt nicht ausreichend profitabel verkaufen lässt.