Marktwirtschaft ohne Risiko geht nicht. Ein Industrieland ohne Unternehmertum blutet aus. Investitionen versiegen. Arbeitsplätze verschwinden. Produzieren lohnt nicht mehr. Die Abhängigkeit von anderen Ländern wächst.
Eine wohlhabende Gesellschaft zu verändern, ist viel schwieriger, als ein Land nach Krieg und Zerstörung wieder aufzubauen. Das sagte der Bundeskanzler im Sommer – er weiß allzu gut um die verfahrene Situation unseres Landes. Aber sein tatkräftiges Eingreifen bleibt – bislang - aus.
Eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt, dass viele Deutsche sich scheuen, Verantwortung zu übernehmen: Fast jeder Zweite will definitiv nicht in den Chefsessel.
Vier von zehn deutschen Studenten streben eine Anstellung im öffentlichen Dienst an, denn die bietet Sicherheit, geregelte Arbeitszeiten, zusätzliche Altersversorgung. „Verwalten heißt allzu oft: der schrumpfenden Zahl derer, die sich noch in der freien Wirtschaft abmühen, das Leben mit weiteren Regeln zu erschweren.“, so der Publizist Jochen Buchsteiner.
Das sind auch die Bauern. Sie tragen Verantwortung für Boden, Tiere, Ernten, Investitionen und Versorgungssicherheit. Und müssen eine Vielzahl gesetzlicher Vorgaben erfüllen – während der Verwaltungsapparat weiterhin wächst und wächst.
Ein Landwirt aus Niedersachen verdeutlicht die Schieflage an einem konkreten Beispiel: „In unserem Kirchspiel hat die Agrarverwaltung in den letzten 36 Jahren eklatant zugenommen: Wir hatten früher ein Landvolkverband mit einem Geschäftsführenden und einer Sekretärin. In unserer Landwirtschaftskammer waren sechs Mann beschäftigt - zwei Sekretärinnen und vier Berater bzw. Verwalter. Und dann hatten wir noch einen Maschinenring mit einem Beschäftigten und einen Beratungsring, der gerade aufgebaut wurde mit zwei Halbtagsstellen. Heute sitzen beim Beratungsring sechs Leute, beim Maschinenring acht Leute, die ausschließlich Düngedokumentationen machen und nichts anderes. In der Landwirtschaftskammer ist es geradezu zu einer Explosion der Mitarbeiterzahlen gekommen. Und beim Landvolk sitzen jetzt zwölf Leute. Gleichzeitig ist die Zahl von zwölf Voll- und Nebenerwerbsbetrieben vor Ort auf gerade einmal dreieinhalb zurückgegangen.“
Heißt: Auf diese Weise entsteht ein immer größeres strukturelles Ungleichgewicht: Denn der Staat kann Wohlstand verteilen und Regeln setzen, aber er kann ihn nicht dauerhaft selbst erwirtschaften.
Die FREIEN BAUERN fordern: Die Politik muss endlich handeln und den immer wieder angekündigten „Bürokratierückbau“ konsequent umsetzen. Denn am Ende gilt: Ohne Produzenten keine Produktion, ohne Wertschöpfung keine dauerhaft finanzierbare Verwaltung und ohne wirtschaftliche Grundlage kein gesicherter Wohlstand.