Der Schweinepreis kennt seit Monaten nur eine Richtung: nach unten. Derzeit steht er bei 1,32 Euro/kg, das ist ein Minus von acht Cent gegenüber der Vorwoche. „Für zahlreiche Schweinehalter geht es inzwischen um die wirtschaftliche Existenz,“ sagt Schweinemäster Georg Straller aus Bayern, ein Mitglied der FREIEN BAUERN. „Wenn sich diese Entwicklung nur einen oder zwei Monate fortsetzt, drohen weitere Betriebssaufgaben. Der Zeitpunkt ist äußerst heikel: Denn jetzt im Herbst sind die Pachten und Versicherungen zu zahlen. Hinzu kommen die Düngekosten.“

Er rechnet vor, dass sich die Betriebskosten enorm gesteigert hätten. Nur einige Beispiele: Futter, der zentrale Kostenfaktor, ist heutzutage 10 bis 15 Prozent teurer als vor fünf Jahren. Die Energiekosten liegen rund 25 bis 30 Prozent höher, die Personalkosten etwa 20 bis 25 Prozent. Währenddessen ist der Schweinepreis immer weiter gesunken.
Die wirtschaftliche Not der schweinehaltenden Betriebe übertrifft inzwischen die der Krisenjahre 2020 und 2021.
Wie geht es nun weiter? Zweifelsohne braucht es dringend faire Wettbewerbsbedingungen und eine konsequente Durchsetzung der bestehenden gesetzlichen Regelungen. Mit dem Landwirtschaftsgesetz und insbesondere dem Agrarorganisationen-und-Lieferketten-Gesetz, das die europäischen Vorgaben gegen unlautere Handelspraktiken umsetzt, gibt es bereits rechtliche Instrumente. Diese müssen aber auch wirksam genutzt werden - die Bundespolitik in Berlin ist hier insbesondere gefordert.
Denn ohne Kreislaufwirtschaft ist die gesamte Landwirtschaft bedroht – gibt es keine Schweinehalter mehr, dann gibt es auch keinen Markt mehr für die Futtergerste und das Futtergetreide der Ackerbaubetriebe.
Ein Blick nach Osten zeigt ein positives Beispiel: Polen hat in diesen Tagen angekündigt, die heimische Schweinezucht stärken zu wollen. Dafür stellt das Land umgerechnet fast 91 Millionen Euro für Sauen und Jungsauen bereit. Ziel ist es, die Abhängigkeit von Importen zu verringern.
Die FREIEN BAUERN meinen: Damit setzt Polen auf das, was vielerorts unter Druck gerät: eine leistungsfähige heimische Schweinehaltung. Wir müssen uns dagegen fragen, ob die Bereitschaft da ist, die heimische Schweinehaltung als wichtigen Bestandteil der Lebensmittelversorgung langfristig zu sichern.