Die FREIEN BAUERN in Sachsen-Anhalt trafen Martin Hoffmann, Referent für Energie, Klimaschutz und Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung und Forsten der SPD-Fraktion im Landtag Sachsen-Anhalt und diskutierten mit ihm agrarpolitische Themen vor der Landtagswahl am 6. September 26. Neben Martin Hoffmann nahm auch Lucas Kiehne, SPD-Referent für Wirtschaft, Recht, Verfassung, Verbraucherschutz, Medien sowie Bundes- und Europaangelegenheiten, an dem Austausch teil.

Vier Jahre lang war die SPD in Sachsen-Anhalt mit in der Regierungsverantwortung – aber hat sie sich konkret für die Landwirtschaft eingesetzt?
Etwa bei der Einführung eines Agrarstrukturgesetzes (ASG), einem der Hauptanliegen der FREIEN BAUERN, die bei dem Gespräch in Magdeburg durch Bundessprecher Alfons Wolff und Petra Wolter-Klußmann vertreten waren. Ihr Einwand: Das ASG wurde in der auslaufenden Legislaturperiode nicht umgesetzt.
Martin Hoffmann verwies diesbezüglich auf einen Beschluss des Landtages, in dem eindeutig formuliert wird, dass Anteilskäufe (Share-Deals) an landwirtschaftlichen Unternehmen und Flächen rechtssicher reglementiert werden müssten. Die dafür erforderliche Gesetzgebungskompetenz liege jedoch beim Bund. In dem Beschluss wird die Landesregierung gebeten, sich auf Bundesebene für eine entsprechende rechtssichere Regelung von Share-Deals in der Landwirtschaft einzusetzen.
Der SPD-Vertreter verwies zudem auf die gescheiterten Versuche, auch in anderen Bundesländern ein ASG einzuführen. Die SPD wolle sich auf Bundesebene jedoch für ein entsprechendes Gesetz einsetzen. Damit solle auch bei Share-Deals eine Gleichstellung der Landerwerber im Hinblick auf die Grunderwerbsteuer erreicht werden.
Auf Landesebene schlug Alfons Wolff vor, zumindest ein entsprechendes Leitbild zu erarbeiten.

Im Zusammenhang mit landwirtschaftlichen Flächen kam auch das neue Ausschreibungsverfahren der Landgesellschaft zur Sprache. Dabei wurde insbesondere die sehr kurze Kündigungsfrist von drei Monaten in den Pachtverträgen thematisiert. Eine solche Regelung war Herrn Hoffmann bislang nicht bekannt. Allerdings zeigte er Verständnis, dass dieses Vorgehen die Abläufe in einem landwirtschaftlichen Betrieb – insbesondere im Hinblick auf Planungssicherheit und Flächentausch – erheblich erschwert und somit nicht pächterfreundlich ist.

Wichtig für die SPD ist eine Förderung des Absatzes von regional produzierten Nahrungsmitteln, wozu auch Schaffung dezentraler Schlachtmöglichkeiten zählen. Hier kann aus Sicht der SPD die AMG sehr gut unterstützen.

Thema WVO: Herr Hoffmann betonte, dass die SPD an der Umsetzung festhält, dabei aber den Dialog mit der Landwirtschaft und gemeinsame Lösungen anstrebt. Einig war man sich, dass Umwelt- und Landwirtschaftsschutz kein Widerspruch sein müssen. Als Beispiel für den Austausch verwies Hoffmann auf die Überarbeitung der Bewertungsrichtlinie zur „Baumartenauswahl“, zuletzt im Juni im Landwirtschaftsausschuss.

Was die Roten Gebiete angeht, ist die SPD grundsätzlich der Auffassung, dass alle Verursacher erfasst werden müssen. Eine Neuauflage der DüV kann sich am Vorgehen anderer Bundesländer orientieren. Berücksichtigung muss aber auch die Wasserrahmen-richtlinie finden. Zunächst ist jedoch der Bund in der Pflicht die Grundlage zur Neugestaltung der DüV zu legen. Die Gesprächspartner stimmten darin überein, dass in den Betrieben eine Bilanz zur Düngung erstellt werden muss, um eben die genannte Verursachergerechtigkeit zu erreichen. Hierzu verfolgt die SPD das Ziel, dass schon vorhandene Daten genutzt werden, um einen Bürokratieabbau zu erreichen. Ebenso ist es notwendig gut funktionierende Datensysteme aus anderen Bundesländern zu übernehmen.

Martin Hoffmann betonte die zentrale Bedeutung der Landwirtschaft – unabhängig von der Betriebsform. Alfons Wolff ergänzte, dass die Bodengesundheit im ureigensten Interesse der Landwirte liege, auch mit Blick auf die Weitergabe der Wirtschaftsgrundlage an die nächste Generation. Die gesicherte Lebensmittelversorgung sei Daseinsvorsorge.
Große Bedeutung habe zudem der Abbau von Bürokratie und Aufzeichnungspflichten, damit sich Landwirte wieder stärker ihrer Kernaufgabe, der Nahrungsmittelproduktion, widmen können. Herr Wolff wies in diesem Zusammenhang auf Handelsabkommen hin, die durch unterschiedliche Standards in den Partnerländern zu erheblichen Wettbewerbsverzerrungen führen.

Die FREIEN BAUERN brachten zuletzt die Höferolle ins Spiel. Da in mehreren Bundesländern solch eine Regelung existiert, könnte man diese ohne viel Aufwand für Sachsen-Anhalt erstellen. Dieses Thema berührte auch die Zuständigkeit von Lucas Kiehne, der sich ebenso wie Martin Hoffmann offen für eine weitere Auseinandersetzung mit dem Thema zeigte.

Hinweis: Die FREIEN BAUERN als Interessenvertretung der bäuerlichen Familienbetriebe haben vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 nicht nur Wahlprüfsteine an alle Spitzenkandidaten der großen Parteien versandt, sondern überdies Gespräche mit den agrarpolitischen Sprechern von CDU, SPD, AfD und den Grünen geführt. Die protokollierten Gespräche erscheinen nacheinander.

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