Kurztext: Der FREIE BAUER Joachim Pehle verteidigt die Zusammenarbeit mit Großschlachtereien wie Tönnies und Westfleisch, da kleinere Metzgereien kaum noch selbst schlachten. Allzu oft ist die Fleischindustrie jedoch der Buhmann in der Öffentlichkeit. Pehle verweist auf einen Fall der einseitigen Berichterstattung des WDR und warnt vor den Folgen für Schweinemäster, wenn den Fleischkonzernen Arbeitskräfte fehlen. 

Schweine haben es schwer. In einer Art Kulturkampf wird Schweinefleisch heute zunehmend abgelehnt – aus Kitas und Kantinen ist es aus Rücksicht auf andere Religionen vielerorts nahezu verschwunden. Auch das Vorurteil, Schweine würden das Klima besonders stark belasten, hält sich hartnäckig. In den vergangenen zehn Jahren ist der Bestand an Schweinen in Deutschland um mehr als ein Viertel zurückgegangen, die Zahl der Sauenhalterbetriebe hat sich sogar halbiert.

In einer Zeit, wo vegane Kost als gut, gesund und moralisch überlegen gilt, wird die Fleischindustrie als böse wahrgenommen. Vor allem große Konzerne mit mehreren Standorten und tausenden Mitarbeitern werden kritisch gesehen, weil dort die die Schlachtung in industriellem Maßstab erfolgt. 

Aber wie kommen Schweinebauch, Rippchen und Würste auf den Tisch, wenn es Tönnies, Westfleisch & Co. nicht gäbe? Die meisten Metzger schlachten nämlich nicht mehr – weil sich der hohe Aufwand für einen Kleinbetrieb einfach nicht lohnt. 

Die Schweinemäster sind auf die Zusammenarbeit mit den Großschlachtereien angewiesen und ärgern sich, wenn ihre Abnehmer, und damit auch ihr Produkt, in ein schlechtes Licht gerückt werden: „Jüngst hat der WDR darüber berichtet, dass die deutsche Fleischindustrie ihre Mitarbeiter aus Vietnam rekrutiert und ausbeuterisch behandelt,“ erzählt Joachim Pehle von den FREIEN BAUERN. „Das stimmt so nicht. Von den dreizehn Aufsichtsräten der WESTFLEISCH sind fünf Arbeitnehmervertreter. Die Angestellten aus anderen Ländern sind fest angestellt und somit wahlberechtigt für den Aufsichtsrat. Niemand arbeitet in Konzern unter prekären Verhältnissen, wie es in dem Fernsehbericht dargestellt wurde.“ Was den Landwirt aus Westfalen besonders aufbringt, ist die Tatsache, dass derselbe Sender positiv über eine Metzgerei berichtet hatte, die ebenfalls Vietnamesen eingestellt hatte und dafür sogar einen Integrationspreis erhielt.

„Hier wird mit zweierlei Maß gemessen“, sagt Joachim Pehle. „Das hat Folgen für uns Bauern: Wenn den Großschlachtereien die Mitarbeiter ausgehen, haben wir Schweinemäster am Ende das Nachsehen, wir sind das schwächste Glied in der Kette.“

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