Ohne ausländische Arbeitskräfte läuft auf vielen Höfen nichts mehr. Ob Sachsen-Anhalt, Thüringen oder Bayern – landauf, landab fehlen Arbeitskräfte in der Landwirtschaft.
„Das deutsche Sozial- und Abgabensystem setzt zu wenige Anreize, eine Arbeit aufzunehmen – schon gar nicht in der Landwirtschaft. Man findet kaum noch einen Deutschen, der die Bereitschaft hat, mit auf dem Hof zu arbeiten,“ sagt der Bundessprecher der FREIEN BAUERN, Alfons Wolff, der einen Agrarbetrieb in Sachsen-Anhalt bewirtschaftet. Er fügt an: „Wir kriegen Arbeitskräfte aus Rumänien, weil der Mindestlohn hier im Vergleich zu ihrem Heimatland deutlich attraktiver ist. Bei den Polen ist dieser Lohnvorteil inzwischen weitgehend verschwunden – deshalb entscheiden sich immer weniger dafür, zum Arbeiten nach Deutschland zu kommen.“
Die Zahlen sprechen für sich: In Thüringen waren Ende 2025 knapp 11.400 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte auf Agrarbetrieben tätig – 23 Prozent weniger als zehn Jahre zuvor. Gleichzeitig stieg die Zahl ausländischer Arbeitskräfte um rund elf Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Sachsen-Anhalt: Dort ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Landwirtschaft innerhalb eines Jahrzehnts ebenfalls um knapp 20 Prozent gesunken.
„Unsere ganze Gesellschaft wird in die falsche Richtung gelenkt. Leistung zählt immer weniger. Gleichzeitig wird eine immer kleiner werdende Schicht mit Steuern und Abgaben über Gebühr belastet, um die sozialen Errungenschaften zu finanzieren“, so Wolff.
Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns bedeute für ihn, dass er eine festgelegte Summe zahlen müsse, ohne sicher sein zu können, dafür eine entsprechende Gegenleistung zu erhalten: „Wenn ich jemanden für 15 Euro pro Stunde einstellen muss, überlege ich mir dreimal, ob ich ihn tatsächlich einstelle oder die Arbeit lieber von jemand anderem erledigen lasse.“ Auch durch den Mindestlohn hat sich also der Anreiz, Leistung zu zeigen, verringert. Schließlich erhält die Arbeitskraft ihren Lohn – unabhängig davon, wie viel sie leistet.
Die FREIEN BAUERN fordern eine Arbeitsmarktpolitik, die Leistung wieder stärker belohnt und diejenigen entlastet, die das Bruttosozialprodukt nach wie vor erwirtschaften und damit die Aufrechterhaltung des sozialen Netzes überhaupt ermöglichen.