Wasser gilt als das Gold des 21. Jahrhunderts.
Die gute Nachricht ist: Dieser „Goldschatz“ steht in Deutschland grundsätzlich allen gleichermaßen zur Verfügung. Wasser ist ein Gemeingut, dessen Nutzung jedermann in Anspruch nehmen kann. Im langjährigen Mittel beträgt das potenzielle Wasserangebot in Deutschland rund 188 Milliarden Kubikmeter pro Jahr (Stand 2021).

Aber gelten bei der Wassernutzung tatsächlich für alle dieselben Bedingungen?

Die Landwirtschaft gehört bundesweit zu den fünf größten Wassernutzergruppen. Ihr Wasserbedarf ist jedoch deutlich geringer als der anderer Großverbraucher. An der Spitze steht hier der Tagebau: Vor allem in Nordrhein-Westfalen und der Region Spree-Neiße werden enorme Mengen Grundwasser abgepumpt, um die Tagebaue trocken zu halten. Auch Industrie und Energieversorger gehören zu den größten Nutzern.

Die Kosten für die Wasserentnahme variieren: In den meisten Bundesländern muss ein Wassernutzungsentgelt gezahlt werden (der sogenannte „Wassercent“), Bayern hat ihn erst am 1. Juli eingeführt, Hessen und Thüringen erheben nach wie vor keine Gebühr.
Selbst Industrie und Energiewirtschaft werden in diesen beiden Bundesländern für die Inanspruchnahme von Wasser nicht zur Kasse gebeten – obgleich sie den höchsten Verbrauch haben.

Was auffällt: Während Dürre und Trockenheit immer mehr zunehmen und vor allem der Landwirtschaft große Probleme bereiten, können große Unternehmen anscheinend weitermachen wie bisher. In vielen Regionen gehen die Grundwasserbestände kontinuierlich zurück, aber in Thüringen profitieren vor allem die Industrieunternehmen von der kostenlosen Wasserentnahme.

Und dort, wo ein Entgelt anfällt, versucht man für Dürrezeiten vorzusorgen: Die beiden Konzerne Alzchem (Bayern) und BASF (Rheinland-Pfalz) sind laut einem Bericht von „Correctiv“ ein Beispiel dafür, dass die Industrie sich offenbar weit großzügigere Mengen vertraglich hat festschreiben lassen, als sie derzeit benötigt. Alzchem gab an, dass seine Fabriken derzeit nur etwas mehr als die Hälfte des genehmigten Wasservolumens nutzten. Sollte der Konzern bei extremer Hitze mehr Wasser benötigen als bislang, könnte er seine Entnahmen aus den Flüssen entsprechend erhöhen.

Und die Landwirtschaft? Für sie verschärft sich die Lage: Weil das Grundwasser an vielen Orten in Deutschland sinkt, sollen Landwirte ihre Wasserentnahmen aus Brunnen reduzieren. Gleichzeitig benötigen sie wegen längerer Hitze- und Trockenperioden immer mehr Wasser, künstliche Bewässerung ist ein Muss.

Damit steigen auch die Kosten. Der Landwirt Lutz Wolff aus Sachsen-Anhalt hat 155 ha Beregnungsfläche und rechnet vor: „Laut wasserrechtlicher Genehmigung steht uns eine Wassermenge von 129.000 Kubikmeter jährlich zur Verfügung, wir zahlen 0,02 Cent pro Kubikmeter, also insgesamt 2.580 Euro. Unser Kreisregner wird mit Strom betrieben, ebenso die Pumpe. Zusammen verbrauchen beide rund 20.000 Kilowattstunden Strom. Bei einem Strompreis von etwa 45 Cent pro Kilowattstunde entstehen dadurch zusätzliche Kosten von rund 9.000 Euro im Jahr.“
Neben den Kosten erfordert es auch mehr Arbeitsaufwand: „Wir müssen monatlich die Pegelstände kontrollieren und sämtliche Wasserentnahmen in einem Wassertagebuch dokumentieren. Dieses wird jährlich von der zuständigen Behörde geprüft. Unsere wasserrechtliche Genehmigung gilt jeweils für zehn Jahre. Nach fünf Jahren müssen wir ein hydrologisches Gutachten eines unabhängigen Ingenieurbüros vorlegen, das die Auswirkungen unserer Wasserentnahmen bewertet. Nach zehn Jahren ist erneut ein hydrologisches Gutachten erforderlich, um die Genehmigung verlängern oder neu beantragen zu können. Die Kosten für jedes Gutachten liegen bei etwa 5.000 Euro.“

Die FREIEN BAUERN sagen: Der Schutz des Grundwassers muss natürlich gewährleistet sein – allerdings dürfen Einschränkungen in Dürrezeiten nicht einseitig zulasten der Landwirtschaft gehen. Auch die Industrie muss bei extremen Wetterverhältnissen mit Auflagen rechnen.
Notwendig sind weiterhin transparente Regeln für alle Großverbraucher, der Ausbau von Wasserspeichern und Maßnahmen zur Grundwasserneubildung, etwa durch die Entsiegelung von Flächen. Wenn die Wasserversorgung in Zukunft funktionieren soll, braucht es neue Lösungen.

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