Gipfel sind zu hoch, um die Realität zu sehen

Wenn’s brenzlig wird, hangelt sich die Politik von Gipfel zu Gipfel. Wiederholt gab es Autogipfel und Klimagipfel, im letzten Jahr den Stahlgipfel und nun - den Milchgipfel. Eigentlich nichts Neues: Schon 2018 hatte Julia Klöckner als Bundeslandwirtschaftsministerin die Branche zu einem Gipfeltreffen zusammengerufen, um eine „Modernisierung der Lieferbeziehungen“ zu entwickeln. Um die Verbände in Bewegung zu bringen, drohte die Ministerin gar mit einer Scharfschaltung von Artikel 148 - was nichts anderes bedeutet hätte als verpflichtende Lieferverträge für alle Milcherzeuger.

Und so formierten sich aus den tonangebenden Verbänden damals neun Arbeitsgruppen, die beschlossen, dass es keiner Verträge bedarf, denn der freie Markt regelt ja alles. Letztendlich hieß es: Die Qualifizierung der Milch sei der Lösungsansatz, über Mengen wollte niemand sprechen.

 Sieben Jahre später, in denen bundesweit Tausende von Milchbetrieben aufgegeben haben, hat sich nichts verändert. Wieder steht ein Milchgipfel an, um „zu schauen, was man da eventuell machen kann,“ verlautet es aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium. Alois Rainer hat am 11. Februar zum Verbändegespräch nach Berlin eingeladen.

Nach Auffassung der FREIEN BAUERN beginnt die Krise genau dort, wo Auszahlungspreise unter die Kosten fallen. Dann kippt das System: Betriebe geben endgültig auf, der Generationswechsel scheitert, und junge Menschen wenden sich ab, weil sie in diesem Metier keine verlässliche Zukunft mehr sehen.