Der Krieg kennt stets viele Verlierer und nur wenige Gewinner - man könnte sie auch Profiteure nennen. Der britische Ölriese BP ist fraglos einer von ihnen: Zu Jahresbeginn hat das Unternehmen seinen Gewinn mehr als verdoppelt. Die durch den Iran-Krieg ausgelösten Preissprünge am Ölmarkt trugen dazu bei.
Auch der Edeka-Verbund meldet in diesen Tagen ein Rekordergebnis: Im vergangenen Geschäftsjahr wurden insgesamt mehr als 77 Milliarden Euro umgesetzt.
Was jedem auffallen dürfte: Kaum etwas hat sich in den letzten Monaten so eklatant verteuert wie Lebensmittel und Energie. Und vieles spricht dafür, dass die Preise weiter steigen werden.
Wer behauptet, dies liege vor allem daran, dass Landwirte ihre höheren Kosten – etwa für Dünger – an die Verbraucher weitergeben, übersieht die Tatsache, dass rund 85 Prozent des deutschen Lebensmitteleinzelhandels von Edeka, Rewe, der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) und Aldi kontrolliert werden. An erster Stelle steht dabei der Edeka-Verbund mit rund 417.500 Beschäftigten – das sind etwa 4500 mehr als im Vorjahr.
Die Handelsketten bestimmen die Preise in den Supermärkten und auch gegenüber den Landwirten. Diese verfügen damit über keine Verhandlungsmacht. Wer als Bauer nicht direkt vermarktet, ist gezwungen, sich an vorgegebenen Preisen und am Weltmarkt zu orientieren – obwohl in Deutschland unter deutlich höheren Standards produziert wird.
Die FREIEN BAUERN meinen: Für mehr Fairness gegenüber den deutschen Bauern und die Umsetzung des Landwirtschaftsgesetzes ist die Politik zuständig. Umso erstaunlicher ist es, dass Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer stattdessen vorrangig die Zusammenarbeit in der Landwirtschaft mit der Ukraine stärken will, wie er jüngst erklärte.
Doch es ist ein historisch bekanntes Muster: Wenn Regierungen innenpolitisch unter Druck geraten, verlagern sie ihre Energie auf die außenpolitische Bühne. Die Verlierer im eigenen Land geraten dabei leicht aus dem Blick.