Agrarflächen, Nahrungsmittel – Grundlagen unseres täglichen (Über)Lebens – gehen mehr und mehr in die Hände weniger Großinvestoren und Lebensmittelhersteller über. Deutschlandweit, europaweit, weltweit. Ein Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe kontrolliert mehr als 70 Prozent der Agrarflächen auf dem gesamten Globus. Bill Gates, der es vom Garagenbastler zum Windows-König brachte, ist der größte Ackerlandbesitzer in den USA. Ihm gehören 110.000 Hektar Farmland, das sich auf 18 Bundesstaaten verteilt.
Auch in Deutschland greifen Investoren nach Land – so etwas wird „landgrabbing“ genannt, wenn es sich bei den Käufern um ausländische Investmentgesellschaften oder Konzerne handelt. Andere Länder in Europa wissen sich davor zu schützen.
Hierzulande erfolgen großflächige Landkäufe meist ohne die Zustimmung der Menschen vor Ort. Zurecht stellt sich die Frage, welche Pläne die neuen Eigentümer eigentlich mit den riesigen Anbauflächen verfolgen. So übernahm der australische Fonds Igneo Infrastructure die Deutsche Agrar Holding (DAH), die rund 20.000 Hektar Agrarland in Ostdeutschland bewirtschaftet. Igneo gehört zu First Sentier Investors, das wiederum Teil der Mitsubishi UFJ Financial Group ist, einem der größten Finanzkonzerne Japans. Angeblich wurden für den Acker-Deal 300 Millionen Euro gezahlt. Peanuts?
Während es bei Agrarflächen künftig zu einer Machtkonzentration kommen könnte, findet diese im Ernährungssektor bereits statt. In Deutschland dominieren vier Handelskonzerne den Lebensmittelmarkt: die Edeka-Gruppe mit dem Discounter Netto, die Rewe-Gruppe mit Penny, die Aldi-Gruppe (Süd und Nord) sowie die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland. Ein erfolgreiches Quartett, dessen Marktanteil in den vergangenen zwanzig Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Mehr als 85 Prozent des Umsatzes im Lebensmitteleinzelhandel fielen 2021 auf diese Big Four - der Markt ist de facto ein Oligopol.
Wie soll unter solchen Bedingungen noch fairer Wettbewerb funktionieren, wenn wenige Große den vielen Kleinen ihre Konditionen und Preise diktieren? Nicht zu vergessen: Die Landwirte stehen am unteren Ende der Wertschöpfungskette, denn sie liefern den Rohstoff für zahlreiche Produkte. Preisdruck bekommen sie als Erste zu spüren.
Die FREIEN BAUERN meinen: Große Investoren und Handelskonzerne bestimmen zunehmend die Spielregeln des Marktes. Am Ende geraten ausgerechnet jene ins Hintertreffen, die die Grundlage unserer Lebensmittelversorgung sichern.
Zudem sollte ein Verkauf landwirtschaftlicher Flächen an ausländische Investoren verhindert werden. Hier ist die Bundesregierung gefordert zu handeln. Denn einige Nachbarländer haben bereits gesetzliche Regelungen eingeführt, um den Erwerb landwirtschaftlicher Flächen durch Käufer aus dem Ausland zu unterbinden.