Raiffeisenverband: Vom Helfer der Bauern zum Marktakteur mit Oligopolstruktur

Wenn in Berlin unter der Leitung von Bundesagrarminister Alois Rainer der „Milchgipfel“ tagt, dann kommen – wie in der letzten Woche - die wichtigsten Vertreter der Branche zusammen. Mit dabei ist immer auch der Deutsche Raiffeisenverband (DRV). Der Dachverband der genossenschaftlich organisierten Unternehmen der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft sieht sich selbst – laut Homepage - als „ein Gewinn für alle“.

Tatsächlich sehen das aber nicht alle so: „Das ursprüngliche Ziel, Ware im Interesse der Bauer zu bündeln, gehört längst der Vergangenheit an. Heute steht der Profit im eigenen Raiffeisen-Unternehmen im Fokus. Der Verband hat sich im Laufe der Zeit - wie jeder mittlerweile weiß - immer mehr zu einem Handelsoligopol enormer Größe entwickelt,“ sagt Alfons Josef Wolff, Bundessprecher der FREIEN BAUERN.

Das österreichische Online-Magazin MOMENT.at hat im vergangenen Oktober über das „mächtige Raiffeisen-Netzwerk, das über große Teile des österreichischen Marktes für Grundnahrungsmittel bestimmt“ berichtet. Für Kritiker sei Raiffeisen schon längst kein reines Genossenschaftssystem mehr, sondern ein eigenständiges, fast abgeschottetes Wirtschaftsimperium, das sein Netz vom Acker oder Stall bis in die Regale heimischer Supermärkte spanne. 

Wer sich aus diesem Netz lösen möchte – so das Online-Magazin – befindet sich unter einem enormen wirtschaftlichen Druck und erfährt unter Umständen Nachteile. Im Nachbarland stammen rund 90 Prozent der Frischmilch aus Betrieben, die unter direkter oder indirekter Raiffeisen-Kontrolle stehen. Transport, Abnahme, Finanzierung und Vertrieb werden in der jeweiligen Region fast vollständig von den Raiffeisen-Strukturen kontrolliert.

Der auf der Webseite propagierte „Gewinn für alle“ war einmal: Als nämlich Mitte des 19. Jahrhunderts der deutsche Sozialreformer Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818-1888) die noble Idee entwickelte, Genossenschaften zu gründen, um die Misere der verarmten und oft verschuldeten Bauern zu mildern. In den Genossenschaften konnten sich einzelne Bauern zusammentun und empfingen von einem gemeinsam getragenen Unternehmen Leistungen. Im Zusammenschluss wurden etwa Einkauf, Lagerung, Maschinenhaltung, Weiterverarbeitung und Verkauf betrieben.

Was als solidarisches Genossenschaftssystem begann, hat sich, auch in Deutschland, zu einem weit verzweigten Konglomerat entwickelt, das in seinen Verflechtungen schwer zu durchschauen ist, aber in der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft eine bedeutende Marktstellung einnimmt. „Der Raiffeisenverband hat im Deutscher Bauernverband und in der Politik die Seiten gewechselt: Weg von den bäuerlichen Betrieben, hin zu den Interessen mächtiger Handelsoligopole.,“ resümiert Alfons Josef Wolff.

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