Eine gerade veröffentlichte Studie verdeutlicht, dass sich die globale Lebensmittelwirtschaft in einer tiefgreifenden Umbruchsphase befindet. Innerhalb der nächsten 10 Jahre entsteht durch stark verändertes Konsumverhalten, durch Anbau und Verkauf von Lebensmitteln ein Marktvolumen von rund 3,1 Billionen US-Dollar dank innovativen Wachstumsfeldern, die voraussichtlich viermal schneller expandieren als die Gesamtbranche. Ursache für die Veränderungen sind unter anderem der derzeitige Fitness- und Gesundheitsboom wie auch das Bedürfnis vieler Menschen nach schneller und bequemer Lebensmittelversorgung.
Eine solche Entwicklung bleibt wohl nicht dem Zufall überlassen. Schließlich ist der gesamte Foodbereich seit Jahrzehnten in der Hand von fünf Großkonzernen. Neben dem chinesischen Getreidehändler Cofco sind es vier westliche Firmen unter dem Kürzel „ABCD“, denn ihre Namen lauten Archer Daniels Midland, Bunge, Cargill und Louis Dreyfus Company. Sie wurden bereits im 19. Jahrhundert gegründet und stehen bis auf eine Ausnahme noch unter dem Einfluss der Gründerfamilien. Im Besitz eines jeden Clans befinden sich Hochseeschiffe, Häfen, Eisenbahnen, Raffinerien, Silos, Ölmühlen und Fabriken. Ihre dominante Marktstellung erlaubt es ihnen, erheblichen Einfluss auf die globalen Agrarmärkte auszuüben und bei der Aushandlung von Preisen ihre enorme Verhandlungsmacht gegenüber Erzeugern auszuspielen. Angeblich haben sich die „ABCDs“ die Länder dieser Erde nach Anbau und Rohstoffen aufgeteilt: Ukraine, Kasachstan, Russland und USA sind Maislieferanten. Palmöl kommt aus dem südöstlichen Asien, Zuckerrohr stammt größtenteils aus Brasilien und Soja aus Südamerika. Immer wieder wird den Konzernen auch Landraub, illegale Regenwaldabholzung und Menschenrechtsverletzungen nachgesagt.
Es ist wohl nicht übertrieben, sie als die Kolonialmächte der neuzeitlichen Landwirtschaft zu bezeichnen.
Die FREIEN BAUERN vertreten die Auffassung, dass es vor diesem Hintergrund kaum gerechtfertigt ist, von einem freien Markt zu sprechen. Der jetzige Zustand hat mit funktionierendem Wettbewerb wenig zu tun. „Die globale Politik schenkt diesen inakzeptablen Vorgängen rund um unsere Nahrungsmittel nicht die notwendige Aufmerksamkeit,“ kritisiert Alfons Josef Wolff, Bundessprecher der FREIEN BAUERN. Denn Agrarrohstoffe werden vielfach für Spekulationen am Terminbörsenmarkt benutzt und dienen den großen Playern als Geldanlage. Der Wirtschaftsdienst Bloomberg nenn den Cargill-Konzern gar den „Goldman Sachs des Agrarrohstoffhandels“. Lebensmittel werden ihrem eigentlichen Zweck entfremdet, stattdessen dominieren Marktlogiken, während den Konsumenten immer häufiger industriell verarbeitete Lebensmittel als vermeintliche Gesundheitstrends angeboten werden.