Unsere Gewässer sind mitunter stark mit Mikroschadstoffen belastet. Doch wer verursacht diese Verschmutzung? Seit vielen Jahren geht der Umweltgeologe Prof. Dr. Tobias Licha von der Ruhr-Universität Bochum dieser Frage mithilfe moderner Umweltforensik nach. Mitte Februar hielt er auf Einladung von Georg Straller (FREIE BAUERN) im bayerischen Ebermannsdorf einen Vortrag mit dem Titel: „Wasserschutz ist Bauernschutz – welchen Beitrag liefert die Landwirtschaft zu sauberem Wasser?“
Herr Prof. Licha, der Titel irritiert, schließlich wird beim Thema Gewässserverschmutzung stets mit dem Finger auf die Bauern gezeigt …
Richtig, ich habe das bewusst einmal umgedreht und in meinem Vortrag ins Verhältnis gesetzt, wie viele Tonnen welcher Stoffe insgesamt in Umlauf sind. Und dabei steht die Landwirtschaft nirgendwo an erster Stelle – weder bei der Anzahl der eingesetzten Mittel noch bei der Zahl der Wirkstoffe oder den ausgebrachten Tonagen. In all diesen Bereichen liegen andere Sektoren deutlich darüber.
Vornehmlich stammen die untersuchten Mikroschadstoffe aus Humanarzneimitteln und Genussmitteln wie Koffein oder Nikotin.
So ist es und die vermeintlich schlimmen Pflanzenschutzmittel kommen erst auf Platz zwei. Oft wird der Eindruck erweckt, die Landwirtschaft sei der alleinige oder zentrale Verursacher der Gewässerbelastung. Das entspricht so nicht den Befunden. Natürlich trägt auch die Landwirtschaft zur Kontamination bei – aber sie ist nicht der Hauptverursacher.
Welchen Beitrag können Bauern denn zu sauberem Wasser leisten?
Indem sie die bestehenden Vorschriften konsequent einhalten – was sie heutzutage auch tun. Darüber hinaus ist die enge Kooperation von Landwirtschaft und Wasserwirtschaft entscheidend. Wenn sich die Beteiligten an einen Tisch setzen und konstruktiv miteinander sprechen, lassen sich tragfähige Lösungen finden. Das führt vielerorts bereits zu stabilen oder sogar sinkenden Nitratwerten.
Im Kleinen funktioniert das sehr gut: In Trinkwassereinzugsgebieten werden mit Landwirten gezielte Maßnahmen vereinbart – etwa Flächen zeitweise brachliegen zu lassen oder Grünschnitt anzubauen und das Aufwuchs-Material anschließend abzufahren. Solche Schritte können den Nährstoffeintrag deutlich reduzieren.
Warum wird so wenig darüber gesprochen? Stattdessen werden immer wieder die alten Vorurteile bemüht von den Landwirten als Gewässerverschmutzer.
Ich denke, das sind die NGOs. In der öffentlichen Debatte kommen oft stark vereinfachte Botschaften gut an. Pauschale Forderungen wie etwa eine generelle Nitrat-Reduktion um 20 Prozent wirken auf den ersten Blick klar und eingängig. Allerdings wird dabei die geologische Vielfalt in Deutschland zu wenig berücksichtigt. Für den einen Standort sind 20 Prozent noch zu viel, für den anderen spielt es keine Rolle.
Diese pauschalen Geschichten zerstören ganz viel. Sie führen dazu, dass die Landwirte ihre Humusschichten in den Böden abbauen, weil sie wiederum gegen das Nitrat kämpfen. Das kann zwar helfen, Nährstoffüberschüsse zu verringern, schwächt aber langfristig Bodenstruktur und Wasserhaltefähigkeit.