Die Lebensmittelpreise steigen seit Monaten spürbar – der Nahostkonflikt hat die Situation zusätzlich verschärft. Das Dilemma betrifft beide Seiten: Erzeuger ebenso wie Verbraucher. Während letztere immer tiefer in die Tasche greifen müssen und Schwierigkeiten haben, zentrale Ausgaben wie Energie, Mobilität und Lebensmittel zu bewältigen, geraten viele Agrar-Betriebe wirtschaftlich massiv unter Druck. Die Folge: Das Höfesterben nimmt zu. „Die Preise im Supermarkt steigen – aber die Bauern sehen davon fast nichts. Das Geld bleibt im System hängen, vor allem im Handel“, erklärt die Landwirtin Frieda Salzwedel von den FREIEN BAUERN.
Ein zentrales Problem ist die starke Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel. Wenige große Handelsketten dominieren den Markt und bestimmen die Preise - der Marktanteil der Handelsmarken ist in den vergangenen Jahren im Durchschnitt noch um drei Prozentpunkte gewachsen, so eine Analyse.
Für die Landwirte bedeutet das: Sie haben faktisch keine Verhandlungsmacht. Wer nicht direkt vermarktet, ist gezwungen, sich an vorgegebenen Preisen und am Weltmarkt zu orientieren – obwohl in Deutschland unter deutlich höheren Standards produziert wird. „Ein landwirtschaftlicher Betrieb kann in der Regel nicht selbst entscheiden, welchen Preis er für seine Produkte bekommt. Kostensteigerungen werden nicht weitergegeben – während die Margen im Handel gesichert bleiben“, so Frieda Salzwedel, die einen Hof in Brandenburg bewirtschaftet.
In Anbetracht vieler Krisen derzeit warnen die FREIEN BAUERN davor, die Bedeutung der Landwirtschaft für die nationale und europäische Sicherheit zu unterschätzen. „Wer über Verteidigungs- und Sicherheitspolitik spricht, darf die Lebensmittelsicherheit nicht ausklammern. Ernährung ist ein strategischer Faktor – und wird weltweit längst als politisches Druckmittel eingesetzt“, erklärt Frieda Salzwedel.
Die FREIEN BAUERN fordern deshalb ein entschiedenes politisches Eingreifen: „Wir brauchen eine Reform des Kartellrechts und eine klare Begrenzung der Marktmacht im Lebensmitteleinzelhandel. Monopolartige Strukturen müssen aufgebrochen werden, damit wieder echter Wettbewerb entstehen kann. Solange wenige Handelskonzerne den Markt dominieren, wird sich an der ungleichen Verteilung nichts ändern“, so Frieda Salzwedel.
Die Folgen dieser Entwicklung reichen weit über die Landwirtschaft hinaus. Wenn die landwirtschaftliche Produktion vor Ort zurückgeht, trifft das den gesamten ländlichen Raum. Landwirte sind in vielen Regionen die zentralen wirtschaftlichen Akteure: Sie investieren, nehmen Kredite auf, kaufen Maschinen und sichern damit Wertschöpfung und Arbeitsplätze auch in vor- und nachgelagerten Bereichen wie Handel, Handwerk, Banken und Dienstleistungen. „Wenn die Höfe verschwinden, bricht ein erheblicher Teil der ländlichen Wirtschaft weg. Das kann und darf nicht getrennt voneinander betrachtet werden“, betont Frieda Salzwedel.
Bereits jetzt besteht eine enge Abhängigkeit zwischen Erzeugern und Verbrauchern; die aktuelle Entwicklung dürfte diese noch weiter verschärfen.
